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Psychotherapie bei Selbstwertproblemen und starker Selbstkritik in Heidelberg

Selbstzweifel gehören zum menschlichen Leben. Fast jeder Mensch erlebt Situationen, in denen er unsicher ist, Fehler bereut oder die eigenen Fähigkeiten infrage stellt. Belastend wird es, wenn aus einzelnen Zweifeln eine grundlegende negative Sicht auf die eigene Person entsteht.

Manche Menschen haben das Gefühl, nie gut genug zu sein. Erfolge werden schnell relativiert, während Fehler lange nachwirken. Anerkennung beruhigt nur für kurze Zeit und der Vergleich mit anderen endet fast immer zum eigenen Nachteil. Selbst kleine Rückmeldungen können die Sorge auslösen, versagt oder einen schlechten Eindruck hinterlassen zu haben.

Von außen ist davon häufig wenig zu erkennen. Menschen mit Selbstwertproblemen können beruflich erfolgreich, zuverlässig und ausgesprochen leistungsfähig sein. Innerlich stehen sie dennoch unter erheblichem Druck. Ihr Selbstwert hängt möglicherweise davon ab, möglichst fehlerfrei zu funktionieren, Erwartungen zu erfüllen oder von anderen Menschen bestätigt zu werden.

In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in Heidelberg unterstütze ich Erwachsene dabei, solche Muster besser zu verstehen und einen stabileren, realistischeren und weniger abwertenden Umgang mit sich selbst zu entwickeln. Die Behandlung erfolgt auf der Grundlage der Verhaltenstherapie.

Selbstwertprobleme sehen nicht immer nach Unsicherheit aus

Ein instabiles Selbstwertgefühl kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Manche Menschen sind zurückhaltend, vermeiden Aufmerksamkeit und trauen sich wenig zu. Andere versuchen gerade durch besondere Leistung, Kontrolle oder Anpassung zu verhindern, dass ihre Unsicherheit sichtbar wird.

Mögliche Anzeichen sind beispielsweise:

  • häufige Selbstzweifel und eine negative Bewertung der eigenen Person,
  • starke Angst vor Fehlern, Kritik oder Ablehnung,
  • Schwierigkeiten, eigene Erfolge anzuerkennen,
  • ständiges Vergleichen mit anderen Menschen,
  • Perfektionismus und sehr hohe persönliche Anforderungen,
  • übermäßige Anpassung an die Erwartungen anderer,
    Schwierigkeiten, Nein zu sagen oder eigene Grenzen zu vertreten,
  • das Bedürfnis nach häufiger Bestätigung,
  • das Vermeiden neuer oder herausfordernder Situationen,
  • langes Nachdenken über vermeintlich ungeschicktes Verhalten,
  • Scham und das Gefühl, grundsätzlich nicht zu genügen,
  • eine deutlich strengere Beurteilung der eigenen Person als anderer Menschen.

Nicht jedes dieser Merkmale weist auf ein psychisches Problem hin. Entscheidend ist, wie ausgeprägt und dauerhaft die Muster sind und wie stark sie Entscheidungen, Beziehungen, berufliches Handeln und das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigen.

Ein geringes Selbstwertgefühl ist keine eigenständige Diagnose. Es kann jedoch erheblichen Leidensdruck verursachen und im Zusammenhang mit unterschiedlichen psychischen Beschwerden auftreten. Selbstkritik wird in der Forschung unter anderem mit depressiven Symptomen, sozialen Ängsten, Essstörungen und zwischenmenschlichen Problemen in Verbindung gebracht.

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Wenn der eigene Wert ständig bewiesen werden muss

Viele Menschen mit Selbstwertproblemen erleben ihren persönlichen Wert nicht als etwas grundsätzlich Stabiles. Er scheint an Bedingungen geknüpft zu sein:

„Ich bin in Ordnung, wenn ich gute Leistungen erbringe.“

„Ich darf niemanden enttäuschen.“

„Wenn andere mich kritisieren, stimmt etwas grundsätzlich nicht mit mir.“

„Ich muss stärker, kompetenter oder belastbarer sein als andere.“

„Wenn ich meine Bedürfnisse zeige, bin ich egoistisch.“

Solche Regeln können zeitweise motivierend wirken. Sie werden problematisch, wenn kaum noch Spielraum für Fehler, Erholung, Unsicherheit oder unterschiedliche Bedürfnisse bleibt.

Ein beruflicher Erfolg vermittelt dann möglicherweise für kurze Zeit Sicherheit. Bereits die nächste schwierige Aufgabe stellt den eigenen Wert jedoch erneut infrage. Eine freundliche Rückmeldung beruhigt, während eine kritische Bemerkung das Gefühl auslösen kann, vollständig versagt zu haben.

Das Selbstwertgefühl bleibt auf diese Weise abhängig von wechselnden äußeren Umständen. Es muss immer wieder neu bestätigt werden und kann durch einzelne Ereignisse schnell erschüttert werden.

In der Therapie betrachten wir deshalb nicht nur, wie Sie über sich denken. Wir untersuchen auch, nach welchen Regeln Sie Ihren eigenen Wert beurteilen und welchen Preis Sie dafür im Alltag bezahlen.

Der innere Kritiker

Viele Menschen beschreiben eine innere Stimme, die ihr Verhalten fortlaufend bewertet. Sie weist auf Fehler hin, vergleicht, warnt vor möglicher Ablehnung und fordert häufig noch mehr Anstrengung.

Ein innerer Kritiker ist nicht grundsätzlich schädlich. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion hilft uns, Verantwortung zu übernehmen, aus Fehlern zu lernen und unser Verhalten zu verändern. Problematisch wird Selbstkritik, wenn sie überwiegend pauschal, entwertend und unerbittlich ist.

Zwischen diesen Aussagen besteht ein wesentlicher Unterschied:

„Das Gespräch ist nicht gut gelaufen. Ich möchte überlegen, was ich beim nächsten Mal anders machen kann.“

und: 

„Ich bin unfähig. Ich mache immer alles falsch.“

Die erste Aussage bezieht sich auf ein konkretes Verhalten und lässt Veränderung zu. Die zweite bewertet die gesamte Person und erzeugt häufig Scham, Rückzug oder Hoffnungslosigkeit.

Ein ausgeprägter innerer Kritiker verspricht manchmal Schutz: Wer sich selbst frühzeitig und besonders hart beurteilt, hofft möglicherweise, Fehler zu vermeiden oder der Kritik anderer zuvorzukommen. Langfristig entsteht dadurch jedoch selten echte Sicherheit. Häufig nehmen Versagensangst, Anspannung und die ständige Beschäftigung mit der eigenen Wirkung weiter zu.

Mir ist in der Therapie wichtig, den inneren Kritiker nicht einfach als „schlechten Anteil“ zu bekämpfen. Wir betrachten zunächst, welche Funktion diese Haltung erfüllt und wovor sie möglicherweise schützen soll. Erst dann können angemessenere Formen von Selbstreflexion und Motivation entwickelt werden.

Wie sich ein negatives Selbstbild entwickeln kann

Ein negatives Selbstbild entsteht normalerweise nicht durch ein einzelnes Erlebnis. Häufig entwickelt es sich über längere Zeit und wird durch wiederkehrende Erfahrungen geprägt.

Mögliche Einflüsse können sein:

  • häufige Kritik oder Abwertung,
  • wenig verlässliche Anerkennung und emotionale Unterstützung,
  • hohe oder widersprüchliche Erwartungen,
  • Ausgrenzung, Mobbing oder wiederholte Zurückweisung,
  • Erfahrungen von Beschämung,
  • ein familiäres Umfeld, in dem Leistung einen besonders hohen Stellenwert hatte,
  • Beziehungen, in denen eigene Bedürfnisse wenig Raum erhielten,
  • wiederholte Misserfolge oder belastende Lebensereignisse,
  • körperliche Erkrankungen oder Veränderungen,
  • gesellschaftliche Erwartungen und ständige Vergleiche.

Dabei geht es nicht darum, im Nachhinein eine einzelne Person verantwortlich zu machen. Menschen können aus ähnlichen Erfahrungen sehr unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen.

Entscheidend ist, welche Bedeutung bestimmte Erlebnisse erhalten haben und welche Regeln daraus entstanden sind.

Ein Kind, das häufig kritisiert wird, könnte beispielsweise lernen:

„Mit mir stimmt etwas nicht.“

Ein anderes entwickelt eher die Regel:

„Ich muss besonders gut sein, damit niemand einen Fehler findet.“

Solche Überzeugungen können unter früheren Bedingungen nachvollziehbar gewesen sein. Im späteren Leben werden sie jedoch möglicherweise auch in Situationen aktiviert, in denen sie nicht mehr angemessen oder hilfreich sind.

In der Therapie untersuchen wir diese Entwicklung, um heutige Reaktionen verständlicher zu machen. Das Ziel besteht nicht darin, dauerhaft in der Vergangenheit zu bleiben. Das Verständnis der Entstehung soll dabei helfen, gegenwärtig neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Wie Selbstwertprobleme aufrechterhalten werden

Ein negatives Selbstbild bleibt häufig bestehen, weil Informationen unterschiedlich gewichtet werden.
Wer überzeugt ist, nicht kompetent zu sein, nimmt Fehler besonders deutlich wahr. Erfolge werden dagegen möglicherweise als Zufall, Glück oder Folge übermäßiger Anstrengung erklärt.

Lob wird relativiert, während Kritik als Beweis für die eigene negative Einschätzung verstanden wird.
Auch das Verhalten kann diese Sichtweise unbeabsichtigt stabilisieren.

Vermeidung

Aus Angst vor Versagen werden Herausforderungen gemieden. Dadurch fehlt die Erfahrung, eine schwierige Situation bewältigen zu können.

Übermäßige Vorbereitung

Eine Aufgabe gelingt zwar, der Erfolg wird aber ausschließlich der extremen Vorbereitung zugeschrieben. Das eigene Können bleibt weiterhin zweifelhaft.

Perfektionismus

Nur nahezu fehlerfreie Leistungen werden als ausreichend angesehen. Gute Ergebnisse fühlen sich deshalb kaum jemals gut genug an.

Rückversicherung

Andere Menschen werden wiederholt um Bestätigung gebeten. Die Beruhigung hält meist nur kurz an, weil das eigene Urteil weiterhin wenig Vertrauen genießt.

Übermäßige Anpassung

Eigene Wünsche und Grenzen werden zurückgestellt, um Ablehnung oder Konflikte zu vermeiden. Dadurch entsteht selten die Erfahrung, auch mit eigenen Bedürfnissen akzeptiert zu werden.

Selbstabwertung nach Fehlern

Ein konkreter Fehler wird nicht als begrenztes Ereignis betrachtet, sondern als Aussage über den Wert der gesamten Person.

Diese Reaktionen sind verständlich. Häufig sollen sie vor Kritik, Scham oder Ablehnung schützen.

Gleichzeitig verhindern sie aber neue Erfahrungen, durch die sich das negative Selbstbild verändern könnte.

Perfektionismus und hohe Ansprüche

Hohe Ansprüche sind nicht grundsätzlich problematisch. Sorgfalt, Ehrgeiz und der Wunsch, sich weiterzuentwickeln, können wichtige persönliche Stärken sein.

Belastend wird Perfektionismus insbesondere dann, wenn der Selbstwert fast vollständig von Leistung abhängt, Fehler kaum toleriert werden und Erfolge nur kurzfristig Erleichterung bringen.

Typische Gedanken können sein:

„Entweder ich mache es richtig oder ich habe versagt.“

„Andere dürfen Fehler machen, ich aber nicht.“

„Eine durchschnittliche Leistung ist nicht akzeptabel.“

„Ich darf mich erst ausruhen, wenn alles erledigt ist.“

Die Forschung unterscheidet unter anderem zwischen dem Streben nach hohen Standards und perfektionistischen Sorgen, bei denen Fehler, Zweifel und die Angst vor negativer Bewertung im Vordergrund stehen. Vor allem solche perfektionistischen Sorgen stehen in deutlichem Zusammenhang mit psychischer Belastung. Verhaltenstherapeutische Interventionen können perfektionistische Muster und damit verbundene Beschwerden reduzieren.

In der Therapie besteht das Ziel nicht darin, Ansprüche vollständig aufzugeben oder sich mit allem zufriedenzugeben. Wir betrachten vielmehr, welche Standards hilfreich sind, wo sie unflexibel werden und ob der persönliche Aufwand noch in einem angemessenen Verhältnis zum Ergebnis steht.

Wie ich Selbstwertprobleme und starke Selbstkritik behandle

Die Behandlung orientiert sich an Ihrer individuellen Situation. Wir betrachten, wie sich Ihr Selbstbild entwickelt hat, in welchen Situationen es besonders instabil wird und durch welche Denk- und Verhaltensmuster es gegenwärtig aufrechterhalten wird.

Verhaltenstherapeutische Behandlungen, die sich gezielt mit niedrigem Selbstwert beschäftigen, zeigen in Studien positive Ergebnisse. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch kleiner als bei vielen klar umschriebenen psychischen Erkrankungen, und Selbstwertprobleme müssen stets im Zusammenhang mit möglichen weiteren Beschwerden verstanden werden.

Dipl.-Psych. Christine Böhme Psychologische Psychotherapeutin Fachkunde Verhaltenstherapie


Ein persönliches Erklärungsmodell entwickeln

Zu Beginn beschäftigen wir uns unter anderem mit folgenden Fragen:

  • In welchen Situationen zweifeln Sie besonders stark an sich?
  • Welche Gedanken treten dann auf?
  • Welche Gefühle und körperlichen Reaktionen folgen?
  • Wie verhalten Sie sich, wenn Sie sich unsicher oder unzulänglich fühlen?
  • Welche kurzfristigen Vorteile haben diese Reaktionen?
  • Welche langfristigen Nachteile entstehen daraus?
  • Nach welchen Maßstäben bewerten Sie sich selbst?
  • Welche früheren Erfahrungen könnten diese Maßstäbe geprägt haben?
  • Wann gelingt Ihnen bereits ein anderer Umgang mit sich?

Aus diesen Informationen entwickeln wir ein individuelles Modell. Es soll nicht lediglich erklären, weshalb Selbstwertprobleme entstanden sind, sondern vor allem zeigen, an welchen Stellen Veränderungen möglich werden.


Pauschale Selbsturteile genauer prüfen

Negative Selbstbewertungen wirken häufig wie eindeutige Tatsachen:

„Ich bin schwach.“

„Ich bin schwach.“

„Ich bin nicht gut genug.“

„Ich kann nichts richtig machen.“

In der Therapie untersuchen wir solche Urteile genauer. Was bedeutet beispielsweise „nicht gut genug“? Nach welchem Maßstab wird dies beurteilt? Würde derselbe Maßstab auch für andere Menschen gelten? Welche Erfahrungen passen nicht zu dieser Bewertung?

Dabei geht es nicht darum, negative Aussagen durch übertrieben positive Gegensätze zu ersetzen. 

Ein Satz wie „Ich bin in allem großartig“ wäre häufig ebenso wenig glaubwürdig wie die ursprüngliche Abwertung.

Ziel ist eine differenziertere Sicht:

  • Eine Schwäche ist nicht die gesamte Person.
  • Ein Fehler sagt etwas über eine konkrete Handlung aus, nicht über den menschlichen Wert.
  • Unsicherheit bedeutet nicht automatisch Unfähigkeit.
  • Anerkennung und Leistung sind wichtig, müssen aber nicht die einzige Grundlage des Selbstbildes sein.
  • Widersprüchliche Eigenschaften können gleichzeitig vorhanden sein.

Ein realistisches Selbstbild darf Stärken, Grenzen, Fehler, Entwicklungsmöglichkeiten und unterschiedliche Seiten der eigenen Person enthalten.


Neue Erfahrungen im Alltag ermöglichen

Ein verändertes Selbstbild entsteht nicht allein durch Nachdenken. Neue Bewertungen werden glaubwürdiger, wenn sie durch konkrete Erfahrungen gestützt werden.

Abhängig von Ihrem Anliegen kann dies beispielsweise bedeuten:

  • eine Meinung zu äußern, obwohl nicht alle zustimmen könnten,
  • eine Aufgabe mit einem angemessenen statt perfekten Aufwand zu bearbeiten,
  • eine Bitte abzulehnen,
  • Unterstützung anzunehmen,
  • eine neue Situation trotz Unsicherheit auszuprobieren,
  • eigene Bedürfnisse klarer zu benennen,
  • Lob nicht sofort abzuwerten,
  • einen kleinen Fehler stehen zu lassen,
  • Aufgaben zu übernehmen, die Sie sich bisher nicht zugetraut haben.

Diese Schritte werden gemeinsam geplant. Es geht nicht darum, Sie absichtlich zu beschämen oder unvorbereitet zu überfordern. Ziel ist es, Annahmen im Alltag überprüfbar zu machen.

Wer beispielsweise überzeugt ist, nur bei fehlerfreier Leistung akzeptiert zu werden, kann durch angemessen vorbereitete Erfahrungen untersuchen, was tatsächlich geschieht, wenn eine Aufgabe „gut genug“ statt perfekt erledigt wird.


Den eigenen Blick erweitern

Bei einem negativen Selbstbild richtet sich die Aufmerksamkeit häufig automatisch auf Defizite. Eigenschaften und Erfahrungen, die nicht dazu passen, werden übersehen oder entwertet.

In der Therapie kann es deshalb sinnvoll sein, den Blick systematisch zu erweitern:

  • Welche Fähigkeiten setzen Sie selbstverständlich voraus?
  • Welche schwierigen Situationen haben Sie bereits bewältigt?
  • Was schätzen andere Menschen an Ihnen?
  • Welche Eigenschaften zeigen sich außerhalb von Leistung und Erfolg?
  • Wie handeln Sie, wenn Ihnen etwas wirklich wichtig ist?
  • Welche positiven Rückmeldungen lassen Sie gewöhnlich nicht gelten?

Das Ziel besteht nicht darin, eine Sammlung angenehmer Aussagen anzulegen, die sich innerlich falsch anfühlt. Wir suchen nach konkreten und überprüfbaren Erfahrungen, die zu einem ausgewogeneren Selbstbild beitragen.

Wie sich ein negatives Selbstbild entwickeln kann

Starke Selbstkritik wird manchmal als notwendiger Antrieb verstanden. Betroffene befürchten, ohne inneren Druck nachlässig, egoistisch oder weniger leistungsfähig zu werden.

Ein mitfühlenderer Umgang mit sich selbst bedeutet jedoch nicht, Fehler zu leugnen oder Verantwortung abzugeben. Selbstmitgefühl verbindet drei Fähigkeiten:

  • eine Belastung wahrzunehmen, ohne sie zu verharmlosen,
  • sich nicht zusätzlich pauschal abzuwerten,
  • und sich auf eine Weise zu unterstützen, die hilfreiches Handeln ermöglicht.

Ein selbstmitfühlender Umgang mit einem Fehler könnte beispielsweise lauten:

„Das ist nicht so gelaufen, wie ich es mir gewünscht habe. Ich bin enttäuscht und möchte verstehen, was ich verändern kann. Trotzdem muss ich mich deshalb nicht als ganze Person verurteilen.“

Die therapeutische Arbeit mit Selbstmitgefühl ist wissenschaftlich untersucht. Metaanalysen zeigen, dass entsprechende Interventionen Selbstkritik reduzieren können. Die Ergebnisse sind ermutigend, bedeuten aber nicht, dass Selbstmitgefühl als einzelne Methode für jedes Problem ausreicht. Es wird bei mir als möglicher Bestandteil einer umfassenden verhaltenstherapeutischen Behandlung eingesetzt.

Achtsamkeits- und selbstmitgefühlsorientierte Übungen werden dabei säkular und psychologisch nachvollziehbar vermittelt. Eine religiöse oder spirituelle Ausrichtung ist weder erforderlich noch Bestandteil der Behandlung.

Eigene Bedürfnisse und Grenzen ernst nehmen

Ein instabiler Selbstwert zeigt sich häufig auch im Umgang mit anderen Menschen. Wer stark auf Anerkennung angewiesen ist, vermeidet möglicherweise Konflikte, übernimmt zu viel Verantwortung oder stellt die eigenen Bedürfnisse regelmäßig zurück.

Kurzfristig kann Anpassung Sicherheit vermitteln. Langfristig können Überforderung, Unzufriedenheit und das Gefühl entstehen, in Beziehungen kaum als eigene Person vorzukommen.

In der Therapie kann es deshalb darum gehen:

  • eigene Bedürfnisse früher wahrzunehmen,
  • zwischen Verantwortung und übermäßiger Verantwortungsübernahme zu unterscheiden,
  • Grenzen klarer zu kommunizieren,
  • Kritik auszuhalten, ohne sich vollständig infrage zu stellen,
  • unterschiedliche Meinungen nicht automatisch als Ablehnung zu verstehen,
  • und Beziehungen danach zu beurteilen, ob Gegenseitigkeit möglich ist.

Dabei wird nicht vorausgesetzt, dass Sie künftig immer selbstsicher auftreten oder Konflikte ohne Anspannung bewältigen. Ziel ist, trotz Unsicherheit zunehmend auf eine Weise handeln zu können, die den eigenen Bedürfnissen und Werten entspricht.

Wenn weitere psychische Beschwerden hinzukommen

Selbstwertprobleme können für sich genommen belastend sein. Sie können aber auch gemeinsam mit anderen psychischen Beschwerden auftreten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • depressive Beschwerden,
  • soziale oder andere Angststörungen,
  • Zwangsstörungen,
  • anhaltende Erschöpfung,
  • Essstörungen,
  • oder länger bestehende Schwierigkeiten in Beziehungen.

In den ersten Gesprächen klären wir deshalb, ob Selbstwert und Selbstkritik im Mittelpunkt stehen oder Teil eines umfassenderen Beschwerdebildes sind. Davon hängt ab, welche Therapieziele und Behandlungsschritte vorrangig sind.

Die Erwähnung verwandter Themen bedeutet nicht, dass dieselbe Behandlung für alle diese Beschwerden geeignet ist. Eine sorgfältige diagnostische Einordnung bleibt erforderlich.

Kleine Schritte statt eines neuen Leistungsprojekts

Gerade Menschen mit hohen Ansprüchen können auch die Psychotherapie in ein neues Leistungsprojekt verwandeln. Sie möchten Übungen perfekt ausführen, möglichst schnell Fortschritte erzielen und keinen „falschen“ Gedanken mehr haben.

Dies kann den vertrauten Druck unbeabsichtigt fortsetzen.

Therapie bedeutet nicht, eine optimierte Version der eigenen Person herstellen zu müssen. Veränderung entsteht auch dadurch, nicht jeden Entwicklungsschritt nach Leistungsgesichtspunkten zu bewerten.

Mir ist deshalb wichtig, gemeinsam ein Tempo zu finden, das neue Erfahrungen ermöglicht, ohne die bisherigen Anforderungen lediglich durch therapeutische Anforderungen zu ersetzen.

Auch Unsicherheit, Rückschritte und ambivalente Gefühle dürfen Teil des Prozesses sein. Sie zeigen nicht automatisch, dass eine Behandlung misslingt. Häufig bieten gerade schwierige Situationen die Möglichkeit, einen neuen Umgang mit sich selbst praktisch zu erproben.

Verwandte Behandlungsschwerpunkte

Selbstwertprobleme und starke Selbstkritik können mit anderen Belastungen verbunden sein. Diese werden auf eigenen Seiten ausführlich behandelt:

Welche Beschwerden bei Ihnen im Vordergrund stehen, muss vor der Kontaktaufnahme nicht feststehen. Die diagnostische Einordnung erfolgt gemeinsam in den ersten Sitzungen.

Ist eine Behandlung in meiner Praxis für Sie passend?

Sie benötigen vor einer Kontaktaufnahme keine gesicherte Diagnose. Im Erstgespräch können Sie schildern, was Sie gegenwärtig belastet und welche Veränderungen Sie sich wünschen.

Gleichzeitig haben Sie die Möglichkeit, einen persönlichen Eindruck von mir und meiner Arbeitsweise zu gewinnen. Wir klären gemeinsam, ob eine ambulante Verhaltenstherapie in meiner Praxis für Ihre Situation geeignet ist.

Mein Angebot richtet sich an Erwachsene. Die Behandlung findet in meiner Privatpraxis für Psychotherapie im Zentrum von Heidelberg statt und kann von Privatversicherten, Beihilfeberechtigten und Selbstzahlenden in Anspruch genommen werden.

Dipl.-Psych. Christine Böhme Psychologische Psychotherapeutin Fachkunde Verhaltenstherapie


Fachlich verantwortlich

Dipl.-Psych. Christine Böhme
Psychologische Psychotherapeutin
Schwerpunkt Verhaltenstherapie

Die fachlichen Aussagen dieser Seite orientieren sich unter anderem an wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten zur verhaltenstherapeutischen Behandlung niedrigen Selbstwerts, zu Selbstkritik, Perfektionismus und selbstmitgefühlsorientierten Interventionen.